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Dröhnland Schlot




„Wo gehen wir eigentlich genau hin?“ fragte ich Xavier, nachdem ich seiner Anfrage für eine Montags-Höhlentour gefolgt bin und abends späht in der Forscherhütte auf der Chromatte angekommen bin. Rund 8 Stunden werde die Tour dauern meinte er und fügte hinzu: „Es wird das Abartigste, was du je gesehen hast!“. Ich wusste nicht recht ob er dies ironisch meinte oder wirklich versprach.

Es braucht schon eine gewisse Motivation sich an einem einfachen Seil hunderte von Meter in den Berg abzuseilen. Unten angekommen durch Engstellen, Bäche und Klettereien immer weiter. Irgendwo geht es immer weiter. Und wenn man nicht mehr durchkommt lässt einen den Tatendrang nicht los eventuell zu graben, nur um eine Fortsetzung zu finden.

Verzweigungen markiert mit Steinhaufen zeigen dem Kenner den Weg. Besser man hat jemanden dabei, der auch weiss wo es lang geht. Nach 4 Stunden unterwegs, vorbei an 2 Biwaks, kamen wir im Dröhnland-Schlot, dem Abartigsten aller Schlote, an.





Ein Schlot ist wie ein Schacht, nur das man ihn von unten betritt, der Gang daher vertikal über einem in die Höhe führt. Hier kamen die Forscher vor Jahren hin und fragten sich, wo dieser eine Schlot wohl hin führt. Nach schier unvorstellbarer Anstrengung mit technischer Kletterei erreichten sie eine Höhe von 180 Metern, wo der Fels zu brüchig wurde für ein weiteres Erklimmen mit Bohrmaschine, Schwerlastankern und Seilen. Das Projekt ans Ende zu gelangen wurde vor ca. 15 Jahren abgebrochen. Wie hoch der Schlot nun wirklich ist, weiss niemand genau.



Nach einem weiteren Abstecher in Richtung Hauptgang, hinter dem Sintergang, kehrten wir um und bewältigten den Aufstieg ohne grosse Probleme. Wieder draussen angekommen meinte ich, Höhlenforschen ist doch eher eine unnötige Anstrengung und Qual. Xavier entgegnete, dass wohl genau darin für gewisse Leute der Reiz bestehe, neben dem Forschungsdrang in geheime Unterwelten. Ich muss ihm recht geben, die tiefe Befriedigung und Müdigkeit 10 Stunden abgeschnitten von der sichtbaren Welt, lässt einen wieder und wieder eintauchen in die tiefen ungewissen Felsspalten und Abgründe. Bis bald du gefürchtete Hölle!



Ruedi Flück 2019 — Bern, Sitzerland