Wetplate Fotografie

Als das Video von Ian Ruhter 2012 die Internet-Hype-Runde machte, dachte ich mir schon, das wäre geil selber zu probieren. Es vergingen 2 Jahre, bis ich mich deswegen bei meinem Freund Maurin Bisig meldete. Er hat sich seinen Traum mit Dunkelkammer und einfachem Leben bereits verwirklicht. Gerne durfte ich bei ihm auf Besuch kommen und seine Dunkelkammer für erste Versuche nutzen. Der Projektwoche im Sonnenbad in Wolhusen stand also nichts mehr im Wege. Genauso wie damals in der Sekundarschule die Bastelwochen, einfach ohne Aufsicht diesmal. Aber genauso frei.
Die Tage begannen mit Kaffee und Rösti am Feuer kochen, gestärkt in den Morgen starten. Zuerst einmal all die Zutaten beschaffen. Ammoniumiodid, Cadmiumbromid, Kollodium, etc.? Wo kriege ich das her? Welche Rezeptur soll ich verwenden? Arbeitsschutz! Eine gescheite Atemschutz-Maske musste her. Genaue Waage, säureresistente Behälter und natürlich eine Fachkamera. Wie die Fotografen dies vor rund 150 Jahren alles auftrieben und verwendeten, ist mir heute in ein Rätsel.
Das Kollodium wurde angemacht und sollte noch einen Tag ruhen, da blieb Zeit sich ein Silbernitrat Bad zu basteln und Boxen aus Holz um die Glasscheiben zu transportieren, archivieren. Dank der Schreinerei Samuel Duss in Werthenstein natürlich kein Problem!
Erster Versuch am Donnerstag Morgen. Graues Wetter, wenig Kontrast. Belichtungszeit? Keine Ahnung, mal so vier Sekunden. Das zweite Bild wurde bereits nicht schlecht. Maurin auf seiner Villa-Terasse erkennbar, irgendwie wirkte das Bild jedoch negativ? Ich schlug die Rezeptur nach, wie erwartet hatte ich den richtigen Entwickler für die positiv Bildentwicklung verwendet. Unerklärlich.
Der Freitag begann mit vielen Fehlversuchen, das Licht wechselte ständig. Belichtungszeit unsicher, Entwicklungszeiten waren schwer einzuschätzen und die Fehler für graue, matte, verschleierte Bilder wegen zu vielen Variablen undefinierbar. Dann die Idee, lass es uns mit Blitzen versuchen. Gesagt getan 1 x Elinchrom Ranger RX, 2 x Elinchrom Quadra = 2000 Ws Energie in Form von Licht. Sollte hoffentlich reichen bei einer geschätzten Filmempfindlichkeit von ISO 1.
Es hat gereicht! Mit aller möglichen Klarheit schaut Anna von der Glasplatte. Der Hintergrund dunkel, das Gesicht schön ausgeleuchtet. Wir probierten es noch einmal. Endlich konnten wir sicher sein, die chemischen Gemische funktionierten und das Licht reichte aus. Die grosse Überraschung folgte sobald. Maurin wollte einfach nicht auf der Platte erscheinen. Vier mal haben wir es wiederholt. Nicht einmal hat es mehr geklappt.
Woran es lag kann ich nicht sagen. Der Umgang mit den Chemikalien erfordert geübte Finger. Zu grosse Toleranzen bei all den Prozessen. Bald hoffe ich es genügend zu verstehen um damit sicher Portraits machen zu können. Wer will Modell stehen?

Vielen Dank an all die Hilfe von Maurin Bisig, Zvonomir Pisonic , Anna Krieps und Samuel Duss!



Ruedi Flück 2019 — Bern, Switzerland